Drehbuchaufstellung
Die Drehbuchaufstellung ist keine therapeutische, sondern eine kreative Anwendung der Aufstellungsarbeit: Autorinnen und Autoren stellen die Figuren, Kräfte und Wendepunkte einer Geschichte in den Raum, um deren Dramaturgie sichtbar und spürbar zu machen.

Was ist eine Drehbuchaufstellung?
Bei der Drehbuchaufstellung werden wesentliche Teile einer Geschichte – Hauptfigur, Gegenspieler, Ziel, ein Thema oder ein ganzer Handlungsstrang – durch Stellvertreterinnen und Stellvertreter im Raum aufgestellt. Diese bekommen keine Rolle und keinen Text; sie berichten lediglich, was sie an ihrem Platz körperlich wahrnehmen. Aus dieser repräsentativen Wahrnehmung und den räumlichen Beziehungen entstehen Hinweise, wo ein Stoff trägt und wo er noch nicht überzeugt. Die Methode stammt aus den Systemischen Strukturaufstellungen (SySt), die in München entwickelt wurden.
Für wen und welche Anliegen geeignet?
Die Drehbuchaufstellung richtet sich an alle, die an Geschichten arbeiten:
- Drehbuchautorinnen und -autoren, Roman- und Bühnenautor:innen
- Regie, Dramaturgie und Script-Consulting
- Produzentinnen und Redakteure, die einen Stoff einschätzen wollen
- Schreibende in jeder Phase – von der ersten Idee über Exposé und Treatment bis zur Drehfassung
Sie eignet sich besonders bei Schreibblockaden, blassen Figuren, unklaren Konflikten oder wenn zwei Handlungsstränge nicht zueinanderfinden.
Typischer Ablauf
Frage klären
Aufstellen
Verändern und verdichten
Der entscheidende Unterschied: Spannung schärfen statt lösen
Während eine Familienaufstellung nach Lösung und Ordnung sucht, will die Drehbuchaufstellung oft das Gegenteil: mehr Reibung. Eine gute Geschichte lebt von Konflikt. Deshalb dürfen die üblichen ordnenden Prinzipien bewusst außer Kraft gesetzt werden – ein Gegenspieler wird stärker gemacht, ein Geheimnis eingeführt, eine Figur ins Ungleichgewicht gerückt. Ziel ist nicht das Wohlbefinden der Figuren, sondern die Wirkung des Stoffes.
Abgrenzung zum Psychodrama
Weil in beiden Formaten Menschen stellvertretend für etwas anderes im Raum stehen, werden Aufstellung und Psychodrama oft verwechselt. Der Unterschied ist grundlegend: Im Psychodrama (nach Jacob Levy Moreno) wird gespielt – die Beteiligten übernehmen Rollen mit Inhalt und Text und handeln Szenen aktiv aus. In der Drehbuchaufstellung wird nicht gespielt: Die Stellvertretenden bekommen keine Rolle und keinen Text, sondern berichten nur ihre Wahrnehmung an ihrem Platz. Gerade beim Drehbuch liegt die Verwechslung nahe – ein Text mit Figuren verführt zum Nachspielen. Die Drehbuchaufstellung tut genau das nicht: Sie lässt die Figuren nicht agieren, sondern wirken.
Wirkung und was die Methode leisten kann
Autorinnen und Autoren gewinnen Klarheit über Stärken und Schwächen ihres Stoffes und bekommen konkrete Impulse für die Weiterentwicklung: eine Figur bekommt Tiefe, ein Konflikt eine klare Achse, ein zweiter Handlungsstrang endlich Anschluss. Oft lösen sich Schreibblockaden, weil das Problem plötzlich sichtbar im Raum steht. Die Aufstellung liefert kein fertiges Drehbuch – sie öffnet Perspektiven, die Umsetzung bleibt Handwerk der Schreibenden.
Grenzen und wann sie nicht geeignet ist
- wenn es nicht um die Geschichte, sondern um eigene persönliche Themen geht – dafür sind die therapeutisch ausgerichteten Formate gedacht
- als Ersatz für dramaturgisches Handwerk oder eine fundierte Stoffentwicklung
- wenn ein klarer, konkreter Arbeitsauftrag fehlt – ohne Frage kein brauchbares Bild
Setting, Dauer und Kosten
Drehbuchaufstellungen finden als Einzelarbeit (mit Figuren auf dem Systembrett) oder in Gruppen mit menschlichen Stellvertretenden statt – in Werkstätten, Seminaren oder im Einzel-Coaching, zunehmend auch online. Angeboten werden sie von spezialisierten Aufstellungsleitungen, vor allem in den Filmstädten. Dauer und Honorar hängen von Format und Umfang des Stoffes ab; ein klar umrissenes Anliegen macht die Arbeit am wirksamsten.
Sehen, wie es wirkt
Vier typische Drehbuchaufstellungen zeigen die Methode Schritt für Schritt am Systembrett – von der flachen Szene bis zum verdichteten Konflikt.