Geschichte der Aufstellungsarbeit
Die Aufstellungsarbeit hat mehrere Wurzeln – von der Familienskulptur der Familientherapie bis zum „Familienstellen“ Bert Hellingers, das die Methode bekannt und zugleich umstritten machte. Dieser Beitrag zeichnet die Entwicklung nach und ordnet die kritischen Debatten ein.

Frühe Wurzeln in der Familientherapie
Die Idee, Beziehungen räumlich darzustellen, ist älter als der Begriff „Aufstellung“. Bereits in den 1950er- und 1970er-Jahren entwickelte die US-amerikanische Familientherapeutin Virginia Satir die „Familienskulptur“: Familienmitglieder wurden in Haltungen und Abständen aufgestellt, um Beziehungsmuster sichtbar zu machen. Auch Ansätze des Psychodramas (Jacob Levy Moreno) mit seiner Arbeit im Raum und mit Rollen gelten als wichtige Vorläufer. Diese Verfahren waren eingebettet in einen therapeutischen Rahmen.
Bert Hellinger und das „Familienstellen“
Bekannt wurde die Methode im deutschsprachigen Raum ab den 1990er-Jahren durch Bert Hellinger (1925–2019). Er verband systemische und therapeutische Elemente mit eigenen Vorstellungen von „Ordnungen der Liebe“ und prägte das Format der Familienaufstellung stark. Über Seminare, Bücher und Fernsehauftritte erreichte das „Familienstellen“ ein großes Publikum.
Kritik an Hellinger
Hellingers Arbeit ist bis heute stark umstritten – die kritische Einordnung gehört zwingend zum Bild dazu:
- Direktiver, teils autoritärer Stil: In dokumentierten Sitzungen trat Hellinger als deutende Autorität auf, was die Selbstbestimmung der Teilnehmenden untergraben konnte.
- Feste „Ordnungen“: Seine normativen Vorstellungen von Familie und Geschlechterrollen wurden als konservativ und dogmatisch kritisiert.
- Umgang mit Schuld und Opfern: Besonders scharf kritisiert wurden Aussagen im Zusammenhang mit Tätern und Opfern, etwa zum Nationalsozialismus, die als verharmlosend wahrgenommen wurden.
- Fehlende wissenschaftliche Fundierung und ein oft quasi-religiöser Duktus.
Fachverbände und viele Fachleute distanzieren sich deshalb ausdrücklich von problematischen Aspekten dieser frühen Praxis.
Professionalisierung und Ausdifferenzierung
Parallel und in Abgrenzung dazu entwickelte sich eine professionellere, methodisch reflektierte Aufstellungsarbeit. Es entstanden neue Formate wie die Organisations- und Strukturaufstellungen (etwa die Systemischen Strukturaufstellungen nach Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd) sowie traumasensible Ansätze. Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Systemaufstellungen (DGfS) und der internationale Verband infosyon formulierten Weiterbildungsstandards, ethische Leitlinien und Qualitätskriterien.
Aufstellungsarbeit heute
Heute ist Aufstellungsarbeit ein breites Feld zwischen Beratung, Coaching und Selbsterfahrung. Seriöse Anbieterinnen und Anbieter arbeiten weniger direktiv, klientenzentriert und mit klarem Bewusstsein für Grenzen und Risiken. Die Geschichte zeigt: Die Methode kann wertvoll sein – entscheidend sind Haltung, Ausbildung und ein verantwortungsvoller Umgang, nicht die Berufung auf eine einzelne Gründerfigur.
Warum die kritische Einordnung wichtig bleibt
Die Herkunft aus dem „Familienstellen“ wirkt bis heute nach – im Guten wie im Problematischen. Wer sich für eine Aufstellung interessiert, sollte wissen, dass es innerhalb des Feldes große Unterschiede gibt: von reflektierter, ethisch fundierter Arbeit bis zu Angeboten, die dogmatische Vorstellungen oder Heilsversprechen weitertragen. Ein Blick auf die Ausbildung, die Haltung und die Verbandsbindung einer Anbieterin oder eines Anbieters hilft, seriöse von fragwürdiger Praxis zu unterscheiden.
Aus diesem Grund verzichtet aufstellungen.de bewusst auf eine unkritische Heldenerzählung. Stattdessen benennen wir die Wurzeln offen, einschließlich ihrer Schattenseiten, und stellen die heutige, professionalisierte Praxis in den Vordergrund. So können Sie die Methode einordnen, ohne ihre Geschichte zu beschönigen.
So geht es weiter
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