Fünf typische Aufstellungen
Wie läuft eine Familienaufstellung ab? Am anschaulichsten zeigt es das Systembrett: Jede der folgenden fünf Situationen beginnt mit dem Ausgangsbild — so zeigt sich die Dynamik. Es folgen ein oder mehrere Interventionsschritte, in denen die Aufstellungsleitung Sätze anbietet und Positionen verändert (Pfeile markieren die Bewegungen). Das Schlussbild zeigt die neue Ordnung. Die Sprechblasen geben typische — hier beispielhaft formulierte — Sätze wieder. Alle Bilder sind mit dem kostenlosen Parafeld™-Systembrett erstellt; jede Aufstellung lässt sich per Klick selbst nachstellen.
1. Das Kind zwischen den Eltern
Ordnungsthema: Kinder tragen keine Elternkonflikte.
Wenn Eltern im Konflikt stehen, geraten Kinder oft „dazwischen“: Sie vermitteln, trösten, lenken ab — und stehen im Bild wortwörtlich in der Mitte. Die Aufstellung gibt den Konflikt an die Eltern zurück und entlastet das Kind.

Ausgangsbild
Die Eltern blicken aneinander vorbei, das Kind steht zwischen ihnen. Es hat unbewusst die Aufgabe übernommen, die Spannung zu halten: „Wenn ich in der Mitte stehe, streitet ihr nicht.“

Intervention 1: Die Eltern übernehmen ihr Thema
Die Aufstellungsleitung lässt die Eltern einander zuwenden (Drehpfeile). Ein klärender Satz an das Kind: „Das ist unser Thema — nicht deins.“ Damit wird die Verantwortung dorthin gelegt, wo sie hingehört.

Intervention 2: Das Kind tritt heraus
Erst jetzt kann das Kind seinen Platz verlassen (Pfeil) und aus sicherem Abstand auf beide Eltern schauen — oft ein spürbarer Moment der Erleichterung.

Schlussbild
Die Eltern stehen als Paar nebeneinander, das Kind ihnen gegenüber — gesehen von beiden. „Jetzt kann ich einfach Kind sein.“
2. Das parentifizierte Kind
Ordnungsthema: Eltern geben, Kinder nehmen.
Übernimmt ein Kind dauerhaft Verantwortung für ein Elternteil — emotional oder praktisch — spricht man von Parentifizierung. Auf dem Brett zeigt sich das oft in der Größe: Das Kind wirkt „groß“, das Elternteil klein. Die Aufstellung stellt die ursprüngliche Ordnung wieder her.

Ausgangsbild
Das Kind steht groß neben der klein gewordenen Mutter und stützt sie: „Ich muss stark sein für Mama.“ Die eigene Kindheit hat dabei wenig Platz.

Intervention: Zurück auf den Kinderplatz
Die Mutter richtet sich auf und nimmt ihre Elternrolle an: „Ich bin die Große. Du darfst klein sein.“ Das Kind antwortet: „Ich bin nur das Kind“ — und darf im Bild wieder Kindergröße annehmen (Pfeil auf den Kinderplatz).

Schlussbild
Die Mutter steht groß hinter dem Kind, das Kind darf nach vorn ins eigene Leben schauen: „Wie leicht das ist.“
3. Das vergessene Geschwister
Ordnungsthema: Jedes Familienmitglied gehört dazu — auch die Verstorbenen.
Früh verstorbene Kinder werden in Familien oft totgeschwiegen. Systemisch bleiben sie dennoch wirksam: Nicht selten schaut ein lebendes Geschwister „unerklärlich“ aus der Familie hinaus. Die liegende Figur steht auf dem Systembrett für Verstorbene.

Ausgangsbild
Die Familie steht beisammen — doch die Tochter blickt aus dem System hinaus, dorthin, wo abseits eine liegende Figur ruht: der früh verstorbene Bruder, über den nie gesprochen wurde. „Irgendetwas fehlt hier immer.“

Intervention 1: Der Verstorbene wird gesehen
Die Eltern wenden sich der liegenden Figur zu (Drehpfeile). Die Mutter spricht aus, was fehlte: „Das ist euer Bruder. Er gehört zu uns.“

Intervention 2: Er bekommt seinen Platz
Der verstorbene Bruder wird in die Familie geholt (Pfeil) und liegt nun mitten in der Geschwisterreihe — sichtbar und zugehörig.

Schlussbild
Die Familie versammelt sich um den Verstorbenen, alle Blicke sind ihm zugewandt. Die Tochter muss nicht mehr hinaus schauen: „Jetzt ist unsere Familie vollständig.“
4. Patchwork: der neue Partner
Ordnungsthema: Neue Partner bekommen einen eigenen Platz — nicht den des Vaters.
In Patchwork-Familien entzündet sich der Konflikt oft daran, dass der neue Partner unbewusst den Platz des leiblichen Vaters einnimmt. Das Kind wehrt sich — zu Recht, sagt die systemische Sicht: Es verteidigt die Zugehörigkeit seines Vaters.

Ausgangsbild
Der neue Partner steht dem Kind frontal gegenüber, der leibliche Vater fehlt im Bild. Das Kind macht die Frontstellung deutlich: „Du bist nicht mein Papa!“

Intervention 1: Der Vater bekommt seinen Platz
Der leibliche Vater wird ins Bild geholt — alle sehen ihn an. Sein Satz an das Kind: „Ich bin und bleibe dein Vater.“ Erst diese Anerkennung entspannt das System.

Intervention 2: Der neue Partner tritt neben die Mutter
Der neue Partner verlässt die Konfrontation und tritt an die Seite der Mutter (Pfeil) — sein stimmiger Platz: Partner der Mutter, nicht Ersatzvater.

Schlussbild
Mutter und Partner stehen als Paar, der Vater hat seinen sichtbaren Platz, und das Kind kann frei auf alle schauen: „Ich darf euch beide haben.“
5. Ablösung vom Elternhaus
Ordnungsthema: Nehmen, danken — und gehen.
Wenn die Bindung an ein Elternteil zu eng bleibt, findet die eigene Partnerschaft keinen Raum. Typisches Bild: erwachsenes Kind und Mutter einander zugewandt, der Partner wartet außen. Die Lösung führt nicht über Abbruch, sondern über Dank.

Ausgangsbild
Tochter und Mutter stehen dicht beieinander, ganz aufeinander bezogen. Der Partner steht weit draußen und fragt: „Wo bleibst du?“

Intervention 1: Dank an die Mutter
Die Tochter würdigt, was sie bekommen hat: „Danke. Ich habe genug bekommen — den Rest mache ich selbst.“ Dieser Satz löst, ohne zu trennen.

Intervention 2: Der Schritt zum Partner
Jetzt kann die Tochter gehen (Pfeil): Sie tritt zu ihrem Partner, die Mutter schaut wohlwollend hinterher.

Schlussbild
Das Paar steht zusammen, die Mutter in gutem Abstand — verbunden, nicht gebunden: „Von hier aus bin ich dir nah.“
Selbst aufstellen — kostenlos im Browser
Alle Bilder auf dieser Seite sind mit dem Parafeld™-Systembrett entstanden — einem kostenlosen Online-Systembrett: Figuren aufstellen, Blickrichtungen setzen, durch die Augen jeder Figur schauen. Ohne Anmeldung, direkt im Browser.